Von Mensch zu Mensch

Florian Schmitt

Seit fast vier Jahren arbeitet Florian Schmitt, ein ganz normaler 26-jähriger, junger Mann mit Down-Syndrom, einmal pro Woche im Kupsch-Markt von Dieter Hartmann in Bad Kissingen. Und, wie er selbst sagt, hat er total viel Freude daran, dabei zu sein. Als Musterbeispiel einer gelungenen Integration eines behinderten Menschen in den beruflichen Alltag und um auch andere Unternehmen für dieses Thema zu sensibilisieren, veröffentlichte die Saale-Zeitung am 29. August 2012 einen Artikel über den Kupsch-Mitarbeiter Florian Schmitt, den wir gerne auch hier im Blog veröffentlichen.

Text und Fotos von: Angelika Luga-Braun, Saale-Zeitung:

“Ich bin ein sehr ordentlicher Mensch”, sagt Florian Schmitt. Er räumt Regale ein, rückt jede Flasche zurecht, die schief steht, weil Kunden sich zuvor im Regal bedient hatten. Florian will, dass alles ordentlich in Reih’ und Glied steht. Er sieht sofort, wenn etwas aufzufüllen ist. Und er weiß, woher er Nachschub holt. Es ist Dienstag, und das ist sein Tag: Der 26-Jährige mit Down-Syndrom arbeitet immer dienstags im Lebensmittelmarkt an der Kissinger Von-Hessing-Straße. Und strahlt: “Das ist total toll.”

Dieter Hartmann mit seinem Mitarbeiter Florian Schmitt

Dieter Hartmann, Inhaber des Kupsch-Marktes in Bad Kissingen, von-Hessing-Straße mit seinem Mitarbeiter Florian Schmitt

Während die Agentur für Arbeit sich, wie jüngst berichtet, schwer tut, Menschen mit Behinderung in Arbeit zu bringen und an Arbeitgeber appelliert, eventuelle Vorurteile gegenüber Menschen mit Handicap über Bord zu werfen, ist der junge Mann mit Down-Syndrom im Kupschmarkt “völlige Normalität”. Und das seit fast vier Jahren. Dieter Hartmann, der Inhaber, kennt ihn seit Jahren. “Wir sind Nachbarn”, und er erzählt, dass er selbst eine behinderte Tochter hat. Die kann aber aufgrund ihrer Krankheit nicht arbeiten, denn: “Jede Behinderung ist anders.” Weil er aber wusste, wie Florian ist und auch, dass er “eine echte Hilfe ist”, gab er ihm die Möglichkeit, in seinem Geschäft zu arbeiten.

 

“Das Schöne ist, dass ich hier bei Dieter bin”, schwärmt Florian und drückt seinen Arbeitgeber wie den besten Freund. Aber auch der Kontakt mit Mitarbeitern und Kunden macht ihm Freude. “Wenn einer was im Laden nicht findet, bringe ich ihn eben dahin, wo es steht”, erzählt er in aufgeregtem Sprechtempo. Einen Suchenden nimmt er dabei schon mal an die Hand, auf dass er fündig werde. “Alles ganz normal hier”, erzählt Roswitha Spiller, eine Verkäuferin, die selbst “das Glück hatte, mit einer behinderten Freundin aufgewachsen zu sein.” Florian sagt: “Vor allem räume ich die Ware aus und die Regale ein.” Seine Mutter Rosemarie Schmitt lächelt: “Er ist ein echter Sonnenschein.” Sie hatte sich immer bemüht, für ihn Praktika und Stellen zu finden, was auch gut geklappt hat. “Es ist so wichtig, dass jemand wie Florian nicht als ‘der mit dem Down-Syndrom’ wahrgenommen wird, sondern als der Mensch, der er ist.” Allerdings ist sie sicher, “dass man das Bewusstsein noch schärfen muss, dass Behinderung etwas ganz Normales ist. Morgen kann man selbst derjenige sein.”

 

Der Dienstag bietet sich an für Florians Einsatz im Kupschmarkt. Es ist der Tag der Warenlieferungen. “Man muss ja auch Arbeit haben für jemanden wie Florian”, sagt Hartmann, und die hat er. “Ich brauch’ auch nicht hinterher zu sein, ob er alles richtig macht. Das tut er.” Er fände schön, wenn andere Arbeitgeber ähnlich handelten. Aber: “Die meisten sehen Nachteile, die es nicht gibt. Man muss es ausprobieren.” Auch Dieter Hartmann strahlt, wenn er Florian anschaut. Nach eigenem Bekunden ist ihm die Familie das Wichtigste, an zweiter Stelle nennt er Zufriedenheit. “Wenn’s meinen Mitarbeitern gut geht, geht’s mir auch gut”, sagt er und ergänzt, dass es in seinem Laden fast keinen Krankenstand gibt. Alles ganz normal?